Vortragstext (Auszüge) von Rudolf Steiner

Nun kann man viel nachstudieren, warum die Biber, wenn sie beieinander sind, so besonders gescheit sind. Und eine wichtige Spur ergibt sich doch daraus: Wenn der Herbst kommt, fangen diese Biber an, diese ganze Geschichte zu machen. Aber bei Tage sieht man eigentlich nicht viel von dieser Tätigkeit. Der Aufbau eines solchen Wehres und des Biberdorfes – denn es ist wirklich ein ganzes Dorf, das sie anlegen – geschieht ganz schnell, der ist manchmal in wenigen Tagen fertig. Man sieht sie, wenn man bei Tag anschaut, außerordentlich wenig arbeiten. Sie arbeiten also fieberhaft bei Nacht. Also bestätigt ist die Gescheitheit des Bibers erstens durch den Winter und zweitens durch die Nacht. So dass also da tatsächlich Spuren liegen, wie man eigentlich die ganze Geschichte studieren soll.
(…) wo hält er sich denn im ganzen Sommer auf? Er hält sich einsam in einer Erdhöhle auf, läßt den ganzen Sommer das, was an Sonnenlicht und Sonnenwärme zu dieser Erdhöhle kommt, in seinen Körper hineindringen, so dass er tatsächlich den ganzen Sommer Sonnenlicht und Sonnenwärme aufsaugt. Und ist er im Herbst mit diesem Aufsaugen fertig, dann fängt er an , seinesgleichen zu suchen und mit denen gescheit zu werden. Er wendet eine Gescheitheit an, die er als einzelnes Tier gar nicht hat.
(…) Ja, daran sehen Sie doch ganz anschaulich, was ich Ihnen vorgestern gesagt habe: Gescheitheit, wenn sie in einem Wesen ist, muss gerade so erst zusammengesammelt werden wie das Wasser, wenn man es in Kannen sammelt. Was tut denn der Biber, während er als einzelnes Tier in seiner Sommervilla ist, als Einsiedler? Der Biber sammelt sich das Sonnenlicht und Sommenwärme – so sagen wir, weil wir nur Sonnenlicht und Sonnenwärme wahrnehmen. In Wahrheit sammelt er sich da seinen Verstand zusammen. Mit Sonnenlicht und Sonnenwärme kommt aus der Welt der Verstand auf die Erde herein. Und der Biber sammelt ihn sich; nun hat er ihn eben und baut dann.